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„Wenn wir nicht lernen, die Natur des Pferdes zu verstehen, dann können wir sie entweder nur mit Gewalt beherrschen und sie im schlimmsten Fall zerstören. Oder wir werden beherrscht. In der Regel aber wird es ein labiles Gleichgewicht des Schreckens sein, mit viel Frust und viel Unverständnis.“
                                                         
                                                                                                    Heinz Welz



Seit Millionen von Jahren
leben Pferde auf unserem Planeten. Sie haben über diesen Zeitraum ihre Art erhalten. Sind recht gut ohne den Menschen ausgekommen, bis sie von ihm "entdeckt" wurden. Die sogenannte "Krone der Schöpfung" benutzt sie seither als Last-u. Reittiere, ließ sie Jahrtausende lang in unzähligen Kriegen abschlachten, verarbeitet sie zu Salami und Hundefutter.

Vor ein paar tausend Jahren also hat der Mensch begonnen, das Pferd für sich zu „nutzen". Wir sind es dem Pferd schuldig (wie auch vielen anderen Arten, die wir domestiziert haben), unter anderem für seine weitgehend artgerechte Haltung zu sorgen.

In der Welt, die wir für unsere Pferde vorgesehen haben, gibt es schlichtweg keine artgerechte Haltung, ist in ihr auch nicht möglich. Ob im landwirtschaftlichen Einstellbetrieb, gewerblichen Reitstall oder im privaten Bereich, es gibt noch viel zu tun – informieren, beraten, Hilfestellung bieten etc., um die Bedingungen für Pferd und Mensch zu verbessern.

Da eröffnet jemand einen neuen Reitbetrieb. Nach neuesten Erkenntnissen geplant und gebaut. Pferdegerecht und ganz modern. Alles da, was Pferde von heute so brauchen, Lauf- und Führmaschine inklusive. Schaut man genauer hin, entpuppt sich die Anlage als "Pferdegefängnis".

Man kommt in einen Einstellbetrieb. Man meint, der Besitzer, in diesem Falle sogar Absolvent einer einschlägigen Fachschule, wüßte über einigermaßen artgerechte Pferdehaltung Bescheid. Weit gefehlt! Die Pferde stehen auf nassem Stroh, in zu engen Boxen, bei wenig Licht und schlechter Luft. Sie verbringen die meiste Zeit im Stall. Die Halfter bleiben oben, auch in der Box.
Zu viel Arbeit, den Pferden immer wieder das Halfter anzulegen..."außerdem sind welche dabei, die lassen sich so schwer aufhalftern".

Im Klartext: Landwirtschaft zu betreiben, heißt noch nicht befähigt zu sein Pferde zu halten und zu betreuen. Das gilt auch für gewerbliche Einstellbetriebe, Reit-u. Turnierställe. Es gehört einfach mehr dazu!
Das Wesentliche fehlt oft - umfassendes Wissen über weitgehend artgerechte Pferdehaltung im Allgemeinen, Gesundheit, Fütterung, sowie das Verständnis für die Natur (=Pferd), Gefühl, und - die Liebe zum Pferd!

Mit den Einstellbetrieben im landwirtschaftlichen Bereich ist es so eine Sache. Man sieht eine lukrative Einkommensquelle.
Fläche scheint genug vorhanden. Der alte Kuh- oder Schweinestall wird mehr oder weniger "pferdegerecht" adaptiert, Wiesen werden eingezäunt, fertig.
Vielleicht wird noch ein halbtägiger Crash-Kurs über Pferdehaltung (diese werden meist von der jeweiligen Interessensvertretung initiiert) besucht, und los gehts.

Irgendwann denkt man darüber nach, ob es vielleicht nicht doch besser gewesen wäre, andere "Objekte", zB. Oldtimer einzustellen. Die würden keine Arbeit machen und die Mieteinnahmen wären auch gutes Geld.
Dann wird vielerorts der Rotstift angesetzt. Es wird Heu und Stroh rationiert, bei der Einstreu gespart, etc.

Zugegeben, es ist schon ein gewisses Maß an Idealismus und Wissen notwendig.
Wissen, das unsere Vorväter die jeden Tag mit den Pferden in Wald und Flur unterwegs waren, zweifelsohne hatten.
Dieses Wissen fehlt heute und scheinbar wird auch mancherorts das bäuerliche Handwerk nicht mehr so beherrscht wie anno dazumal.
Fällt die Heuernte schlecht aus, ist das Wetter schuld! 
Man glaubt gar nicht, wieviel Tonnen vergammeltes und verschimmeltes Heu an Pferde verfüttert werden.
Warum regen sich verhältnismäßig wenig Pferdebesitzer darüber auf? Weil sie oftmals über Pferde auch nicht mehr wissen, als der Stallbetreiber!
Gier, Unwissen und Ignoranz haben hier meist hohe Tierarztrechnungen zur Folge, manchmal auch den Verlust des Pferdes.
So manchen Stallbesitzer scheint es trotzdem nicht zu kümmern, dass er für die Qualität seines Futters verantwortlich und somit gesetzlich verpflichtet ist, Schadenersatz zu leisten! 

Es ist  der einzelne Pferdehalter gefordert, sich Wissen anzueignen. Weil auch Profis, wie Tierärzte und Hufschmiede, irren können.

In manchen Betrieben stehen den Pferden zu wenig Auslauf- und Weideflächen zur Verfügung. Die Flächen werden, wenn vorhanden, meist profitabler genutzt.
Die Pferde bleiben vor allem bei Schlechtwetter tagelang in ihren Boxen. Zum einen stehen zuwenig Matschkoppeln zur Verfügung, zum anderen sollen die lieben Tierchen ja nicht naß und schmutzig werden. Dürfen sie dann hin und wieder raus, werden sie in Decken gepackt.
Es wird ja fleißig geschoren, oder noch schlimmer, nur teilweise geschoren.
Wen kümmert es, dass die Haarmuskulatur nachhaltig beeinträchtigt wird, und es schlimme Folgen haben kann, die Thermoregulation des Pferdes auf diese Weise zu stören.

Irgendjemand hat einmal gesagt: "Ein Pferd den größten Teil seines Lebens in einer Box zu halten ist genauso, wie eine Katze in eine Bierkiste zu sperren."
Aber auch eine Hütte auf der grünen Wiese macht noch keinen Offenstall.
Genauso wenig ist ein BIO-Hof automatisch Garant für weitgehend artgerechte Pferdehaltung.
Zu enge Boxen, falsches oder fehlendes Fütterungsmanagement, zu wenig Licht, mangelnde Be-u. Entlüftung, mangelnde Hygiene (Matratzenstreu).
Wir nehmen dem Herden- und Fluchttier Pferd vielfach den lebensnotwendigen Raum, und die sprichwörtliche Luft zum Atmen.

Die Praxis zeigt auch das oftmals mangelhafte, oder gar fehlende "Weidemanagement". Weil auch hier die Zusammenhänge Natur-Pferd zu wenig berücksichtigt werden. Spezielle Kenntisse über die Anforderungen zur Bewirtschaftung von Pferdeweiden nicht vorhanden sind oder nicht berücksichtigt werden.
Das hat oft fatale Folgen! Giftpflanzen, Eiweiß-und Fruktanüberschuss, Übersäuerung etc. gefährden die Gesundheit in höchstem Maße.
Nicht selten führen hier Unwissenheit und leichtfertiger Umgang zum Tod eines Tieres.

Apropos Fütterungsmanagement, welcher Pferdehalter oder Reiter setzt sich schon wirklich mit den Stoffwechselvorgängen des Pferdes auseinander, hat fundierte Kenntnisse über die sensiblen Verdauungsvorgänge des Pferdes.
Magengeschwüre, Koliken, Schlundverstopfungen, Verfettung, Hufrehe, Leistungsabfall usw., sind größtenteils Folgen unsachgemäßer Ernährung und gestörten Stoffwechsels.

Ernährungswissenschaftliche Erkenntnisse, sowie die Anforderungen unterschiedlicher Haltungs-und Nutzungsformen verschiedenster Pferderassen werden meist nicht berücksichtigt!

Raufutter in Form von qualitativ hochwertigem Heu und anteilsmäßig Stroh sollte zB. ständig zur Verfügung stehen. Geschieht aber meist nicht. Aus Unwissenheit, Bequemlichkeit oder vermeintlicher Sparsamkeit.
Unruhe in den Ställen und in der Herde, Aggression, vermehrter Futterneid, Stress und Magengeschwüre sind die Folge.
Regelmäßige Fütterungszeiten sind strikt einzuhalten!

Da der hintere Teil des Pferdemagens im Gegensatz zum menschlichen Magen permanent Magensäure, in diesem Fall ein hochaggressives Gemisch aus Salzsäure und Eiweiß spaltenden Enzymen, produziert, ist dafür zu sorgen, dass vor allem eine nächtliche Futterkarenz von 6-8 Stunden keinesfalls überschritten wird!

Man macht sich kaum Gedanken über ernährungstechnische Vorgänge. Schüttet einmal oder mehrmals täglich Hafer, Pellets oder Müsli in den Futtertrog, vielleicht eine Portion Kleie hinterher. Der "Experte" von nebenan macht es auch so und überhaupt wurde es immer so gemacht.
Schickt man die Pferde danach gleich auf die fette Weide, sollte man die Telefonnummer des Tierarztes oder der Klinik bei der Hand haben.

Das Angebot an Pferdefutter steigt ständig. Der Laie ist hoffnungslos überfordert.
Die Praxis zeigt, dass die wenigsten wissen, worauf es wirklich ankommt. Schon die Beschreibung am Futtersack gibt meist Rätsel auf.
Das Zusatzfutter (Müsli) sollte aus hochwertigem Vollkorn-Getreide bestehen, höchstmöglich aufgeschlossen, um optimale Verwertbarkeit (Resorbierbarkeit) für das Pferd zu gewährleisten. Hochwertiges Vollkornmüsli enthält eine Vielzahl organisch gebundener Nährstoffe. Gemeinsam mit periodengerechter Energiebereitstellung entlastet es wiederum die Verdauungsorgane, zugunsten von Raufutter übrigens.

Ein Pferd kann ohne Müsli leben, aber nicht ohne Rohfaser!
Daran sollte man auch bei der Rationsgestaltung denken. Vielfach wird "Kraftfutter" überdosiert, was wiederum den gesamten Organismus belastet und die Entstehung von Magengeschwüren fördert. 

Auf die "Müll-Entsorgung" im Pferdefutter achten!
Oft werden dem Futter verschiedene Zusätze, d.h. Abfälle aus der Nahrungsmittelindustrie, beigemengt. Ernährungstechnisch völlig unnötig, mitunter sogar gefährlich für den gesamten Organismus.
Auch kann man aus den Angaben über synthetische Zusatzstoffe eine Menge über die Qualität des Futters erfahren. Nicht zuletzt auch durch die Angaben über den Anteil an Rohasche, der bei vielen Produkten bedenklich hoch liegt.
Und man sollte darüber nachdenken, warum manche Hersteller ihr Pferdefutter in Pellets verpacken (müssen).

Erschreckend, wie viele „Fachleute“ keine Ahnung von Pferdehaltung, der Ernährung und dem Umgang mit den sensiblen Tieren haben. Wie wenig sie von ihrer Psyche wissen. Wie oft sie ihnen mit Unverständnis, mangelndem Gefühl, ja Gewalt begegnen.
Erschreckend auch, dass sehr viele Menschen mit einschlägiger Ausbildung darunter sind.

Angst spielt eine nicht unbedeutende Rolle. Was wir nicht kennen und verstehen, das fürchten wir. Der Mensch versteht meist die Natur nicht. Das Pferd ist nun mal Teil der Natur und sein Überlebensinstinkt bestimmt sein Handeln.
Pferde kommunizieren durch Körpersprache und Gefühl.
Aber die meisten Menschen "fühlen" ihre Pferde nicht! Sie hören auch nicht auf ihre Pferde und verstehen sie nicht. Nehmen sich meist nicht mal die Zeit, wenigstens zu versuchen, hinzuhören. Können oder wollen sich nicht in ihre Lage versetzen. Sie gehen davon aus, daß die Pferde ihre Sprache, eben die der Menschen, verstehen.

Mark Rashid: "Wir sind meist so sehr damit beschäftigt, den Pferden zu zeigen, was wir von ihnen wollen, daß wir uns nicht die Zeit nehmen, zuzuhören, was sie uns erwidern."
"Ich habe so viele Pferde gesehen, die völlig an den Menschen verzweifelt sind, einfach weil die Menschen um sie herum keinen Versuch machten, ihnen zuzuhören, als sie sie am meisten gebraucht hätten."

Vieles, was den Pferden angetan wird, basiert auf Unwissen, Unverständnis und Unbekümmertheit. Die Menschen haben nie was Anderes gesehen. Sie agieren so, wie sie es gelernt haben. Sie sind einfach sicher, das Richtige zu tun. Sie wissen es einfach nicht besser.
Gibt man zB. zu bedenken, dass schon der Griff ins Halfter, den Überlebensinstinkt des Pferdes und somit eine panische Fluchtreaktion auslösen kann, schauen sie einen mit großen Augen an.
Nur schade, dass so wenige wirklich lernen wollen.

Notwendig ist, schon den Anfängern (Kindern), und den angehenden Pferdebesitzern das Wesen der Pferde nahe zu bringen!
In der Praxis geschieht das halt viel zu wenig! Das scheint aber auch die wenigsten zu kümmern.
„Western oder Englisch?“……und das war`s dann auch schon.
Dabei gäbe es gerade hier auch für ReitlehrerInnen
und TrainerInnen zB. ein schier unerschöpfliches Betätigungsfeld.

Aber in der Regel werden die ReitschülerInnen auf demotivierten, arthrosegeplagten Pferden durch die Halle gescheucht, bevor diese dann wieder für die restlichen 22 Stunden des Tages hinter Gittern gesperrt werden.

Was bleibt, sind schlechte Hände und eine laute Stimme.

Die Praxis zeigt, dass in Reitschulen/Reitbetrieben die Fähigkeit und Bereitschaft, mit Pferden auf der Basis von Verständnis und Gefühl zu kommunizieren, sehr oft fehlt. Keine Ahnung von den physischen und psychischen Gegebenheiten eines Pferdes.

Bodenarbeit wird gleichgesetzt mit longieren.  Sinnvolle, der beiderseitigen Kommunikation und Vertrauensbildung, sowie der Gymnastizierung, Motivation und freiwilligen Mitarbeit eines
Pferdes zuträgliche Bodenarbeit, ist hier weitgehend unbekannt!

Das Pferd ist nicht als Reittier auf die Welt gekommen!

Es muß nicht jede(r) ReitlehrerIn ein sogenannter
"Pferdeflüsterer" sein. Man sollte aber erwarten können, dass Grundkenntnisse über das Wesen und die Psyche der Pferde, deren Anatomie, Biomechanik usw. vorhanden sind und diese den Reitanfängern vermittelt werden. Und das, bevor man sie erstmals auf das Pferd steigen lässt.

Es muß den Schülern verständlich gemacht werden, dass man mit Mechanik, Gerte und Sporen, kein losgelassenes, durchlässiges, motiviert mitarbeitendes Pferd erhalten kann.
Sie müssen verstehen lernen, wie wichtig hinhören und fühlen ist, dass es unumgänglich ist, das Pferd als solches wahrzunehmen!
 
Wie schon erwähnt, ist  die Berücksichtigung der anatomischen Gegebenheiten, die Funktion der Muskeln, Sehnen, Bänder, usw., die sogenannte BIOMECHANIK, von zentraler Bedeutung für die Gesundheit des Reitpferdes!
Diesem Aspekt wird auch von  den Freizeitreitern, beginnend schon bei der Ausbildung des Pferdes, vielzuwenig Aufmerksamkeit geschenkt!
Hiezu ist aber umfassendes Wissen gefragt, welches man leider sehr oft auch bei den Ausbildern und Trainern vermisst.

Wir sind dabei, unsere Pferde "kaputt zu reiten"!

So mancher Reitschulbesitzer/Reitlehrer muß sich schon die Frage gefallen lassen, ob es nicht für alle Beteiligten besser wäre, einen Fahrradverleih zu eröffnen...

Das Pferd ist für viele eben nur Sportgerät und/oder Einnahmequelle.
Es wir gekauft, verkauft, und wenn es nicht mehr reitbar ist, keine Erfolge mehr bringt, an Krankheiten leidet, oder man mit dem Pferd nicht mehr "fertig wird", dann ab…
Man nennt diese Tiere dann Problempferde. Die meisten von ihnen gehen in die Schlachthöfe.
Aber auch altgediente Schulpferde werden oft auf diese Weise "entsorgt".

Wie auch die unzähligen Fohlen jedes Jahr. Fohlenfleisch ist eben gefragt, und auf den einschlägigen Veranstaltungen und „Pferdemessen“ präsentieren sich die Zuchtereine voller Stolz.
"Selektion ist wichtig", erzählten uns die Funktionäre der "Schlachtpferdeverbände" bisher scheinheilig.
Mittlerweile geben sie auch zu, eine gewinnbringende Marktnische entdeckt zu haben.

Die "Schlachtviehproduktion", wie sie seit Jahren vor allem von Haflinger- und Noriker-Zuchtverbänden praktiziert wird, schreit zum Himmel! Es ist an der Zeit, diesen Mißstand unverzüglich abzustellen!
Das putzige Fohlen, eben noch die Attraktion für die Urlauber am Bauernhof, ist spätestens nach den alljährlichen Versteigerungen im Herbstr auf dem Weg zum Schlachthof. Falls nötig wird es vorher noch zum mästen Richtung Oststaaten gekarrt.
Ob es dann in Italien oder Österreich getötet wird, ist egal, bei uns geht es in den Schlachthöfen genauso brutal zu als anderswo.
Die "Schönrederei" der Verantwortlichen will niemand mehr hören!
Rigorose Zuchtbeschränkung ist das einzige Mittel, um diese Tragödie und das damit verbundene Elend zu stoppen.
Dazu ist es aber notwendig, dass einzelne Züchter Rückgrat und Zivilcourage beweisen und das irre System kippen. Nicht zu vergessen Politiker und die sogenannten Konsumenten.
Allein von den Haflingern werden jedes Jahr weit über 1000 Fohlen, größtenteils Hengste, getötet.
Einerseits einer wahnwitzigen Zuchtpolitik wegen, andererseits aus reiner Profitgier. Welche Verschwendung.
Die Noriker sind, von einigen Ausnahmen abgesehen, sowieso für Pferdeleberkäse usw. bestimmt. 
Es scheint, manche Zuchtverbände wurden einzig und allein dafür gegründet, Fleisch zu produzieren!

Weil es eben um Profit geht. Nur um Profit! Wie so oft auf Kosten der Schwächeren. In diesem Falle auf Kosten der Tiere.
Es wird sich nichts ändern, solange alle Beteiligten daran verdienen. Die Züchter (Landwirte), Händler: nicht zu vergessen die jeweiligen Landesverbände, welche für jedes versteigerte Fohlen Provision kassieren.
Die Kehrseite der Medaille, im Umgang mit dem "Wirtschaftsfaktor Pferd".

Jeder weiß es, keiner tut was! Ein Grund dafür ist vielleicht, dass man als Tierschützer bei uns heutzutage schon aufpassen muß, von der "Tierquäler-Lobby" und ihren Handlangern nicht als Krimineller hingestellt zu werden, wie aktuelle Fälle zeigen.

Dann wäre da noch das vielzitierte Thema Tiertransporte. Wie allseits bekannt, werden Pferde von gerissenen, skrupellosen Geschäftemachern, billigst vor allem in den Ostländern gekauft, und durch ganz Europa (EU) zu den Schlachthöfen gekarrt. Mitunter können sie vorher von Tierschützern gestoppt werden. Diese dürfen die Pferde dann um meist überhöhte Preise auslösen.
Ein lohnendes Geschäft, das auch so weiterlaufen wird. Falls Strafgelder von den Transportunternehmern anfallen, kassiert diese der Staat.
Eigentlich sollte das Geld den Pferden zugute kommen!

Tiere (Pferde) sind menschlicher Profitgier ausgeliefert, sind eine Sache eben! So steht´s auch im Gesetz.
An dieser Stelle auch im Namen der Pferde vielen Dank an die zuständigen Politiker!


Aber vor allem ist das Pferd zum Reiten da! Es gibt Reiternadeln, Reiterpässe, Reitzertifikate usw. Und die Regelwerke der Reit- und Fahrvereine befassen sich bspw. ausführlich mit den Vorrangregeln in der Reithalle.
Ist auch gut so, man verbringt ja auch viel Zeit da drinnen.

Draußen unter freiem Himmel fangen die wahren Probleme an. In erster Linie für den Menschen wohlgemerkt!
In der Reitschule hat man nichts darüber gelernt und das "FENA-Lehrbuch" hilft da auch nicht weiter.

Die "Reiternadeln" sind das Blech nicht wert, wenn man nichts über Wesen und Bedürfnisse der Pferde weiß.
Es beginnt schon damit, ein Pferd von der Weide zu holen. Für 90% aller „Pferdemenschen“ ein echtes Problem! Mit und ohne Leckerlis.
Ob Profi oder Amateur. Pferdetrainer, Reitlehrer, Stallbesitzer inklusive! Würden sie ihre Sinne schärfen und einsetzen, die Pferde fühlen, wahrnehmen und "lesen", so wie es die Pferde mit ihnen tun, würden sie die Gründe erfahren, warum sie auch hier so oft scheitern.

Pferde beherrschen die Regeln der Kommunikation perfekt!
Sie "lesen" in uns. Klopfen uns bltzschnell nach allen Seiten ab, sozusagen. Sie reagieren unmittelbar auf Gegebenheiten oder Veränderungen in ihrer Umgebung. Mehr oder weniger ein Schutzmechanismus ("limbische System", in ihrem Großhirn).
Der Mensch, mit seiner begrenzten Denk - und Sichtweise, Meister im Erfinden und Aufstellen von (eigenen) Regeln. Die Pferde halten ihm den Spiegel vor, und er merkt es nicht mal.

Für die meisten Menschen ist es eben nicht einfach, mit "500 Kg Gefühl" klarzukommen! „....wir wollen ja noch zum Reiten kommen, bevor die Halle wieder übervoll ist, putzen und longieren müssen wir vorher auch noch. Der Gaul hat schon wieder zuviel Power, dabei ist er doch fast jeden Tag ein paar Stunden draußen……"

Longiert wird eigentlich sehr viel, zumindest in unseren Breiten. Und man fragt sich manchmal, ob die auch wirklich wissen was sie da tun. Mit Longe und Gerte "bewaffnet" läßt man die Pferde elendslang im Kreis laufen. Man versucht, ihnen Schritt, Trab und Galopp "beizubringen", ohne eigentlich den Sinn der Arbeit an der Longe verstanden zu haben

Pferde sind geduldige Tiere. Sie lassen sich longieren, "anreiten und ausbilden". Oft von Menschen, die nur eben keine Ahnung von der "Sprache der Pferde" sowie den anatomischen Gegebenheiten haben. Menschen die für Pferde sowas wie "Analphabeten" sein müssen.

Schade, dass nur Wenige auch nach anderen Möglichkeiten suchen.
ZB. der Möglichkeit, neben sinnvollem longieren auch mit dem freilaufenden Pferd zu arbeiten.
Das heißt, seine Bewegung (Richtung, Gangart, Tempo, Dauer), einzig und allein durch Gefühl = Energie, zu steuern.
Für viele "Pferdeleute" ein unvorstellbarer Gedanke - für die Pferde das Natürlichste auf der Welt.

Besonders eben auch im Umgang mit Pferden lässt sich die Unfähigkeit des Menschen, mit der Natur zu kommunizieren, erkennen.

"Pferdeverstand ist das, was Pferde davon abhält auf Menschen zu wetten", heißt es in einem Sprichwort.

Einzig und allein geputzt und gestriegelt wird mit Hingabe, bevor es, wie gesagt, ans Longieren geht.

Das Verhältnis Mensch – Pferd ist von Unverständnis und Gewalteinwirkung geprägt, zum Nachteil des Pferdes natürlich.

Angst, Misstrauen, Gewalt und Unverständnis. Am Boden und im Sattel. Sporen werden gedankenlos eingesetzt. Kommt man nicht zurecht, werden schärfere Gebisse verwendet.
Und immer dieses Ausrasten und Zuschlagen!
Nicht selten werden diese Chaoten von "Fachleuten" auch noch dazu ermuntert.

"Die so oft missverstandene Kommunikation mit Pferden hat sich in den vergangenen Jahrzehnten durch den sportlichen Einsatz der Pferde nicht verbessert. Der Zugang zu dieser wunderbaren Kreatur Pferd ist nicht in dem Maße gefunden worden, wie rapide die kommerzielle Verwendung dieser Tiere gestiegen ist."
                                                             Jean-Claude Dysli


Schon öfter längere Zeit in diversen Reitställen verbracht?
Während eines Turnieres (egal welche Disziplin) in der Stallgasse oder auf dem Abreitplatz zugeschaut?
Da wird gezogen, gezerrt, geschrien. Den Pferden wird auf die Köpfe geschlagen, mitunter werden sie auch getreten.
Egal ob Profi, Amateur, erfahrene(r) Pferdefrau(mann).
Sehr viele machen das so. Überall auf der Welt. Egal, ob in einem Gestüt in Spanien, auf einer Ranch in Arizona, oder auf einem Reiterhof in Österreich. Kann einem schon auf die Nerven gehen, wenn der Gaul nicht stehen bleibt, besonders lästig ist das zB. beim Aufsteigen.

Wir wecken ständig den Überlebens- und Fluchtinstinkt des Pferdes und nennen das Ergebnis dann "Ungehorsam"!

Wichtig scheint, dass man die Gerte dabei hat, die sitzt sowieso locker.
Wird ja schon den Anfängern beigebracht. Neben diversen Gebissen und Zäumungen eines der wichtigsten Hilfsmittel, um sich „durchzusetzen“.

Die meisten wissen gar nicht, wie "laut" sie mit der Gerte sind. Können nicht zwischen "laut" und "leise" unterscheiden, weil sie die Bedeutung der beiden Wörter in diesem Zusammenhang gar nicht verstehen.

Dafür wird dann, wenn das Pferd die gewünschte Leistung erbracht hat, sprich, es auch getan hat was Mann/Frau ihm „gesagt“ hat, mögen die Absichten und Kommandos für das Pferd noch so verwirrend gewesen sein, großzügig „belohnt“.
Es wird ausgiebig getätschelt und geklopft bis die Wirbel krachen.
Nur ganz wenige kommen auf die Idee, ihr Pferd zu streicheln.

„Setz dich durch, lass dich nicht verarschen…merkst du nicht, er verarscht dich“…schallt es vielerorts über die Reitplätze. Spätestens da wird sichtbar, dass viele zwischen Konsequenz und Gewalt nicht unterscheiden können.
Der Konsequenz nämlich, mit der die Pferde zB. die Rangordnung innerhalb der Herde herstellen bzw. aufrecht erhalten, und dieser für die Menschen so typischen Art von Gewalt, ähnlich jener, mit der sie sich seit Jahrtausenden die Schädel einschlagen.

Strikt abzulehnen ist die, besonders häufig im "Western-Reitsport" anzutreffende Praxis, eineinhalb bis zweijährige Pferde „anzureiten“. Besonders Quarter Horses und Pferde anderer Westernrassen bekommt man schon als zweijährige Pferdebabies „perfekt“ ausgebildet. Und auf Turnieren bringen sie bald darauf eine Menge Preisgeld, Prestige und Anerkennung für Trainer und Besitzer. Publikum und Presse sind begeistert!

Wenn man bedenkt, dass ein Pferd rund 2 Jahre sinnvolle Gymnastizierung benötigt, bevor man es überhaupt Reitpferd nennen kann, läuft es einem kalt den Rücken runter.

Der Begriff "Remonte" dürfte diesen Leuten sowieso fremd sein.

Fakt ist, diese Vorgehensweise ist durch nichts zu rechtfertigen und absolute Tierquälerei!

Der Pferde-Rennsport steht dem in nichts nach und in den anderen Disziplinen wie zB. dem Springen, dem Distanzreiten usw. ergeht es den Pferden keinen Deut besser, ganz im Gegenteil.

Zwar heißt es in den "Ethischen Grundsätzen" der Deutschen Reiterlichen Vereinigung e.V. (FN) aus dem Jahr 1995:

"Die Nutzung des Pferdes im Reit-, Fahr- und Voltigiersport muss sich an seiner Veranlagung, seinem Leistungsvermögen und seiner Leistungsbereitschaft orientieren. Die Beeinflussung des Leistungsvermögens durch medikamentöse sowie nicht pferdegerechte Einwirkung des Menschen ist abzulehnen und muss geahndet werden."

Besonders im Dressursport werden die Regeln der "klassischen Reitlehre" in den letzten Jahren zunehmend mißachtet!
Die Pferde werden regelrecht zu "Krüppeln" geritten und systematisch zerstört!

Auf Kosten der Gesundheit der Pferde wird die  "Dressur" zum "Schaureiten" pervertiert. Die Mißachtung der gegebenen Anatomie und Biomechanik des Pferdes wird von den (abhängigen) Richtern mit hohen Noten, und vom Publikum mit tosendem Applaus belohnt!

Lt. einer niederländischen Sudie müssen weltweit 70% der 7-8 jährigen Turnierpferde auf Grund dieser zutiefst verabscheuungswürdigen Entwicklung eingeschläfert werden!
 
Kommerz, Spektakel, und die Interessen der "Pferdeindustrie" bestimmen Championate und Olympische Spiele!

Wer je einen Vortrag des deutschen Bereiters und Fachtierarztes für Pferde, Dr.Gerd Heuschmann gehört hat, in dem er das komplexe System des Profi-Pferdesports anprangert und Tierquälerei als fixen Bestandteil des Profi-Sports aufdeckt, weiß was gemeint ist.
 
Dr.Heuschmann: "Die moderne Pferdezucht hat in den letzten Jahrzehnten derart gut konstruierte Pferde mit derart unterwürfigem und leidensfähigem Wesen hervor gebracht, dass solche Trainingsmethoden häufig ohne nennenswerten Widerstand toleriert werden. Nur wenige Pferde mit deutlichen Konstruktionsmängeln im Gebäude oder sehr charakterstarke Pferde widersetzen sich. Oft werden die Konsequenzen derartiger Trainingsmethoden erst dann offenbar, wenn sich die Besuche beim Tierarzt häufen."

Sehr empfehlenswert übrigens sein Buch "Finger in der Wunde" (auch als DVD mit 3D-Animation erhältlich),  in dem er sehr anschaulich und auch für den medizinischen Laien gut verständlich, die Anatomie des Pferdes darstellt. Es wird erklärt was nötig ist, um ein Pferd so auszubilden, dass es überhaupt fähig ist seinen Reiter zu "(er)tragen", und dabei vor allem auch ein Leben lang gesund bleibt!
Es wird umfangreiches, unbedingt notwendiges Fachwissen vermittelt. Auch Fehler in der Ausbildung werden aufgezeigt. 

Zudem wird die katastrophale, pferdemordende Entwicklung im (Profi-)Pferdesport schonungslos offengelegt!

Es besteht leider die Gefahr, dass auch dieses Buch nur von jenen gelesen wird, die ohnehin nicht nur mit den Augen sehen und nur das Beste für ihren Partner Pferd wollen.
Die große Zahl der, "mit Blindheit geschlagenen", wird einmal mehr keinen Zugang suchen/finden.

Immer wieder wird die Verabreichung von Aufputschmitteln, Anabolika etc. nachgewiesen. "Trainingshilfen" in Form von Elektroschocks sind keine Einzelfälle.
Kleinere Geldbußen und kurzfristige Sperren werden in Kauf genommen.
"Material" ist ja genügend vorhanden.

Sogenannte "schwarze Schafe" gibt es genug. Klar, wo „Geld und Erfolg“ im Spiel sind, bleibt die „Sache“ Pferd größtenteils auf der Strecke!
Internationalen Studien zufolge leiden ca. 70% aller Sportpferde an Magengeschwüren. Das nur nebenbei.

Beim vorher erwähnten Westernreitsport wird uns das Gefühl von Freiheit und Abenteuer suggeriert. „Marlboro Country", die lässige Reitweise, schonend für Pferd und Reiter, und so natürlich..... "Horsemanship“ eben.
Schon richtig! Nur die Realität sieht vielfach anders aus. Festgefahren in herkömmlichen Trainingsmethoden, werden die Pferde sehr oft „gebrochen“. Stetson, Chaps und Sporen machen noch lange keinen "Horseman"!

Auch hier vermisst man leider zu oft die Grundsätze der klassischen Reitweise, wie sie z.B. auch die "Vaqueros", die Rinderhirten, im alten Kalifornien lebten. Auch als "kalifornische Reitweise" bekannt.
 
Dahinter steht nicht nur eine Reitweise, sondern vielmehr die Philosophie des freiwillig mitarbeitenden Pferdes als Partner und Feund.
Eine umfassende Grundausbildung mit Schwerpunkt Bodenarbeit, bildete die Basis für die Beziehung zwischen Mensch und Pferd, getragen von gegenseitigem Vertrauen und Respekt.

Der Psyche des Pferdes wurde große Aufmerksamkeit geschenkt. Ebenso der Gymnastizierung, damit das Pferd das Reitergewicht ein Leben lang tragen konnte, ohne Schaden zu erleiden.

Obwohl das Leben und die Arbeit der "Vaqueros" hart war, gaben sie ihren Pferden alle Zeit der Welt.

Die Pferde waren erst mit 8-10 Jahren soweit ausgebildet, um mit Kandare geritten zu werden.

Auf das "Vaquero-Pferd" war 100%ig Verlass. Der Reiter konnte ihm sein Leben anvertrauen, weil es ein gut ausgebildetes, gesundes und zugleich hochmotiviertes Pferd war!


In den meisten Ländern der Erde, auch auf dem amerikanischen Kontinent, hat aber auch das "Einbrechen" der Pferde Tradition. Es gehört vielfach zur Cowboy-und Gaucho-Romantik dazu, von einigen Ausnahmen abgesehen, wie vorhin beschrieben.

Auch vor unserer Haustür, bei unseren Nachbarn im Süden und Osten Europas zB., ist der humane Umgang mit Tieren nicht selbstverständlich. Wobei hier das heutige Spanien besonders negativ auffällt. Auch im Land der stolzen Caballeros ist Tierquälerei ein Kavaliersdelikt. Man denke nur an das Schicksal der Galgos, der spanischen Windhunde. Spätestens nach der 2. Rennsaison werden sie nicht mehr "benötigt". Man hängt sie einfach am nächsten Baum auf. Manchmal dauert es Tage, bis die Tiere tot sind!

Auch im Umgang mit Pferden läßt sich hier eine besondere Mischung aus Arroganz, Dummheit und Brutalität beobachten.

Von Pat Parelli, oder vielmehr seinem Mentor Bill Dorrance, stammt der Satz: Scharfe Zäumung, Martingal und Tie-Down sind beliebte Entschuldigungen für schlechte Hände und mangelndes Wissen."

Einige wenige aber kommunizieren mit Pferden auf geradezu wundersame Weise, beobachten sie, nehmen sie wahr, hören ihnen zu und fühlen sie. Sie lernen von den Pferden und "sprechen ihre Sprache."

Sogenannte Pferdeflüsterer hat es schon immer gegeben. In allen Epochen und Kulturen, in denen Menschen und Pferde zusammenlebten.
Seit erscheinen des Romans von Nicholas Evans ist der Begriff in aller Munde, aber inzwischen auch irgendwie negativ belegt. Schade eigentlich.

Aus der jüngeren Geschichte bleiben uns die Brüder Bill und Tom Dorrance in Erinnerung. Die beiden, bereits verstorbenen Amerikaner, gelten als geistige Väter der heutigen Pferdeflüsterer und Horsemen.

Übervolle Regale in den Buchläden, Videos, ausgebuchte Kurse über den „sanften“ Umgang mit Pferden. Zeitungsinserate, in denen für jedes "Problem" eine Lösung versprochen wird. Aber hat sich wirklich was geändert?
Erfahrene Trainer und Horsemen, die Seminare auf der ganzen Welt halten, bestätigen, dass auch nur rund 20% der Seminarteilnehmer wirklich lernen, sowie bereit und imstande sind, sich selbst und ihre Pferde zu fühlen.
Allein von den Seminarteilnehmern erreichen nur 2 von 10 mit ihren Pferden eine tiefe Beziehung, die von Gefühl, Vertrauen und Respekt getragen wird.
8 von 10 machen weiter wie bisher. Werden nie wirklich etwas von ihren Pferden und über ihre Pferde erfahren.
Und für die meisten, die mit Pferden zu tun haben, wird es überhaupt "ein labiles Gleichgewicht des Schreckens" bleiben, wie es ein bekannter deutscher Horseman beschreibt.

In den letzten Jahren wurde die Kommunikation zwischen Mensch und Pferd zur Wissenschaft erhoben. Ja, sogar "Academies" wurden gegründet, wo man für viel Geld, die "Geheimnisse" der Verständigung zwischen Mensch und Pferd mehr oder weniger erlernen kann.
Manche der vorhin erwähnten Inserate suggerieren, in wenigen Stunden, Tagen, das "Geheimnis der Pferdeflüsterer" lüften zu können. Beseitigung von Kommunikationsschwierigkeiten mit Hund und Katz´ inklusive.

Es gehört mehr dazu - beobachten, hinhören, fragen, vor allem verstehen, fühlen - und viel, viel leiser werden!

Bill Dorrance: Es gibt nichts, auf das ein Pferd besser reagiert, als auf ein Gefühl das ihm derjenige gibt, der mit ihm umgeht.“

Monty Roberts, ein Schüler von Bill Dorrance, bringt es auf den Punkt: Wir Menschen müssen im Umgang mit Pferden so leise werden, dass wir selbst ihr Weinen hören können.“

Man kann der einen oder anderen Ausbildungsmethode des Kaliforniers aus dem Santa Ynez Valley kritisch gegenüber stehen.
Fest steht aber, der Horseman mit der Sportmütze, hat bereits mit seinem ersten Buch "DER MIT DEN PFERDEN SPRICHT" die "Pferdewelt" wachgerüttelt, seither auch international immens viel bewegt. Er leistet seit Jahrzehnten einen großen Beitrag zum besseren Verständnis zwischen Menschen und Pferden. Und er hat damit bisher unzähligen Pferden das Leben gerettet!

Wenn man sich in Reitställen, auf Reiterhöfen und Turnierplätzen so umsieht, manchem "Trainer" bei der Arbeit zuschaut, und sieht, was einem manchmal auf Veranstaltungen und Pferdemessen als pferdegerechter Umgang oder "Horsemanship" dargeboten wird, muß man an Tom Dorrance denken, den genialen Horseman, der zeit seines Lebens nicht mit Menschen zurechtkam, wie er sagte. „Sie hören nicht zu,… wieder und wieder muß ich das Gleiche erklären, für nichts!“
„Ich versuche seit Jahren die Pferde Glauben zu machen, die Menschen seien besser als sie wirklich sind."

Schon zu Lebzeiten wurde Tom Dorrance, auch Anwalt der Pferde genannt, zur Legende. Er krieche förmlich in die Haut eines Pferdes, könne denken und fühlen wie ein Pferd, hieß es.

Immer wieder traten Menschen an ihn heran: „Mr.Dorrance, ich hab ein Problem mit meinem Pferd“. Und stets antwortete Tom: “Haben sie schon mal darüber nachgedacht, dass nicht sie ein Problem haben mit ihrem Pferd, sondern dass ihr Pferd vielleicht ein Problem mit ihnen hat?“

Tom Dorrance:"Das Pferd handelt aus seinem Trieb, sich selbst und die Art zu erhalten; das ist vernünftig, sonst gäbe es längst keine Pferde mehr. Die Menschen müssen das respektieren und danach handeln! Sie müssen dem Pferd die Sicherheit geben, dass es tun kann was sie erwarten, ohne dass es sich aufgeben muß."
„Jeder muß es für sich lernen. Es muß aus dem Inneren des Menschen kommen und aus dem Inneren des Pferdes. Ich kann nur versuchen, den Menschen lernen zu helfen.“ „Die Menschen müssen lernen wieder zu sehen, was sie anschauen. Sie müssen ihr Pferd fühlen, um es begreifen zu können.“ 
           
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"Dinge, die ich von meinen Pferden gewohnt war, wie fliegende Galoppwechsel und kurze Galopp-Trab-Übergänge....diese Dinge sehe ich jetzt als Geschenk an. Ein Geschenk, das mir in diesem Augenblick von meinem Pferd aus freiem Willen gemacht wird. Ich bin ganz sicher, es gibt eine Verbindung zwischen dem, was ich meinem Pferd gebe und dem, was das Pferd mir zurück geben kann.
 
     Dinge wie Technik, Mechanik und Ziele dürfen niemals die Geschenke von Seiten des Pferdes gefährden. Wenn wir versuchen, diese Geschenke "auf Befehl" zu erhalten oder sie uns zu nehmen, können wir Probleme bekommen. Man kann um ein Geschenk bitten, aber man kann es sich nicht einfach nehmen. Wenn man zu viele Geschenke annimmt und dem Pferd nicht genug zurückgibt, besteht die Gefahr, dass das Pferd seine Versuche einstellt und die Beziehung zwischen Pferd und Reiter sich verschlechtert. Ich glaube deshalb, dass diese Geschenke einem Kreislauf folgen müssen. Ich gebe dem Pferd, damit das Pferd mir geben kann, und so geht es immer weiter. Und Geben macht so viel Freude.

       Insgesamt hab ich das Gefühl, dass ich dabei bin, die Verbindung, die ich als Kind zu Pferden hatte, wieder zu entdecken. Damals saß ich einfach drauf und "wusste" überhaupt nichts. Nicht dass ich damals nicht ziemlich herumgefummelt hätte, aber irgendwie kam immer das Richtige heraus. Das Wunder und die reine Wonne, auf einem Pferd zu sitzen oder nur in seiner Nähe zu sein. Und natürlich der wunderbare Geruch.

       Ich glaube, damals bin ich mit dem Herzen geritten, nicht mit dem Kopf. So ziemlich alles basierte auf Gefühl, denn das war alles, was ich hatte. Wenn ich zu übermütig wurde, erinnerte mich mein Pferd daran, das Gefühl nicht zu vergessen. Irgendwie ist mir das verloren gegangen. Nicht ganz, das nicht, aber zum Teil hab ich es verloren und ich nehme an, das ist es was ich zurückzubekommen versuche.

       Ich habe immer dazu geneigt, meine Errungenschaften gering zu schätzen oder sie total aus den Augen zu verlieren. Stattdessen konzentriere ich mich voll und ganz auf Dinge, die ich noch lernen muss, oder auf "Probleme". Das bringt mich und mein Pferd unter viel Stress. Man verfällt so leicht in die Gewohnheit, an dem Pferd herumzunörgeln und "Probleme zu lösen" - auf Fehler zu warten und sie dann ausmerzen zu wollen.
Ich glaube, ich habe manchmal unbewusst und ungewollt meine Pferde (im kleinen Maßstab) dazu verführt, Fehler zu machen, damit ich daran arbeiten konnte, sie zu korrigieren. Das Pferd testen - sehen wo es steht und feststellen, welche Löcher gestopft werden müssen. Heute weiß ich, dass es viel besser gewesen wäre, all die wunderbaren Dinge anzuerkennen, die mein Pferd und ich vollbrachten und sich weniger auf das zu konzentrieren, was wir nicht taten oder von dem ich annahm, dass es noch verbessert werden müsse.

        Ich will damit nicht sagen, dass es falsch ist, sich Ziele zu setzen. Sie können die Richtung vorgeben und den Zweck. Aber wenn man allzu sehr auf ein Ziel fixiert ist, kann man leicht den Augenblick aus den Augen verlieren. Man sieht nur noch das Ziel und hat nichts mehr vom Weg. Das ist das Problem, wie ich es sehe.

         Mir wird langsam klar, dass man niemals "ankommt". Dies ist wirklich eine Reise ohne festes Ziel. Es ist ein unendlicher Prozess. Alles Wichtige geschieht "auf dem Weg", nicht, "wenn du dort ankommst", denn es gibt kein "dort"!
Ich habe schrecklich lang dazu gebraucht, das zu begreifen."

                       aus dem Buch : "Horses Never Lie", von Mark Rashid


Wenn wir Pferde über einen längeren Zeitraum beobachten, stellen wir fest, dass die Pferde nicht unbedingt die Nähe der dominanten Artgenossen, der sogenannten Alpha-Tiere suchen. Vielmehr folgen sie einem Tier, das eigentlich nie wirklich Druck ausübt. Dafür aber Selbstvertrauen besitzt, sich den Respekt und das Vertrauen der Herde durch Umsicht, Besonnenheit, Beständigkeit und Zuverlässigkeit erwirbt.
Diesem Tier schließen sie sich freiwillig an. Es wird von den restlichen Herdenmitgliedern geradezu zum Herdenführer bestimmt, ohne je Anspruch darauf erhoben zu haben.

Mark Rashid
nennt es den "PASSIVE LEADER".
Ein Tier, das durch seine Art zu leben und zu handeln beispielgebend ist, und deshalb von den anderen als Herdenführer ausgesucht wurde.

Den "Alpha-Tier Horsemen" ins Stammbuch geschrieben: Hat man sich einmal den Status des "Herdenführers" durch "Passive Leadership" erarbeitet und verdient, ist es erstaunlich, welche Möglichkeiten sich auftun.
Was nicht heißen soll, dass der Mensch den Führungsanspruch abgibt. Ganz im Gegenteil, auch hier gilt das "Leitstutenprinzip".
Wenn wir Führungsverhalten vermissen lassen, wird das Pferd seine "Selbstschutzfunktionen" aktivieren. Wie gefährlich das werden kann, ist hinlänglich bekannt.

Aggression, Gewalt und Frust treten nur bei "willkürlich zusammengefürfelten" Gruppen in Gefangenschaft auf. Vor allem, wenn sie auf engem Raum gehalten und/oder nicht artgerecht mit Nahrung versorgt werden.
Der tägliche Umgang mit ihnen durch den Menschen tut das Übrige.

Freilebenden,
also in einer natürlichen Herdenstruktur lebenden Pferden, ist so ein Verhalten fremd. Es würde zuviel Energie kosten und das Überleben der Herde gefährden. Auch die Gefahr, Verletzungen zu erleiden, wäre zu groß. Es ist bewiesen, das Pferde für einander einstehen, dh. sich gegenseitig helfen, wenn man es so nennen will. Wäre aber das Überleben der Herde gefährdet, würde ein verletztes Tier aufgegeben werden, was für dieses den sicheren Tod bedeuten würde.

Was uns Menschen betrifft, sollten wir im Umgang mit Pferden nicht das dominante Alpha-Tier hervorkehren. Wir sollten nur so laut als nötig, und so leise wie möglich sein. Weniger Druck ausüben, vor allem nicht die totale Dominierung des Pferdes anstreben. Das artet immer in einen Kampf mit dem Pferd aus.
Der Adrenalinspiegel steigt, die Spirale der Gewalt beginnt sich zu drehen. Den Kampf mit dem Pferd können wir nicht gewinnen. Wir verlieren ihn, und wir verlieren das Vertrauen des Pferdes.
Dazu kommt, daß wir dabei die Versuche des Pferdes, uns zu fragen, uns zu antworten, seine Versuche, "das Richtige" zu tun, gar nicht wahrnehmen.

Wir sollten uns vielmehr an der "PASSIVE-LEADERSHIP"
orientieren, Konfrontation vermeiden, vorausplanen, geduldig und beharrlich sein, dem Pferd die Chance und die Zeit geben, uns mit der gewünschten Reaktion antworten zu können.
"Set it up and wait", wie ein altes Sprichwort sagt.

Auch im "Natural Horsemanship", oder was wir landläufig darunter verstehen, schlüpft der Mensch in die Rolle des ( selbsternannten) Alpha-Tieres. Zugegeben, man bemüht sich im NH, dem Wesen des Pferdes ein Stück entgegenzukommen.

Man macht es dem Pferd "bequem" wenn es gehorcht, und man macht es ihm "unbequem", sprich, es muß (meistens) laufen, wenn es den Forderungen des Menschen nicht nachkommt.

Und hier ist der Haken!
 
Sollte sich nicht zuerst der Mensch fragen, ob er sich überhaupt verständlich ausgedrückt hat, seine "Message" so rübergebracht hat, dass das Pferd verstehen konnte was gemeint war? 
Wie kann er, wenn er mit "Feel und Timing" nichts anzufangen weiß, überhaupt hören und fühlen, was sein Pferd anzubieten hat? Wie soll er die Versuche seines Pferdes, zu antworten, wahrnehmen?
Vielleicht haben deshalb auch hier so viele Pferde Probleme mit den Menschen, oder der Art wie die mit ihnen umgehen?

Der Begriff "Horsemanship" ist sehr dehnbar, wie die Praxis zeigt. Ursprünglich war damit wohl Umgang, Haltung und Pflege, auf artgerechte Art und Weise, gemeint. Mittlerweile ist der Begriff weit verbreitet.
"Horsemanship" kennt man aus der Westernreitszene. Gerade hier ist eine Vielzahl eineinhalb bis zweijähriger, "voll ausgebildeter" Pferde anzutreffen. Wie schon erwähnt, sind rund eineinhalb bis zwei Jahre sinnvoller Gymnastizierung nötig, um ein Pferd als Reittier einsetzen zu können. 
Hier ist es sehr oft mit "Horsemanship" nicht weit her!

Auch im Westernreitsport, so wie er landläufig betrieben wird, steht leider überwiegend die Dominierung des Pferdes durch das "Alpha-Tier" im Vordergrund, und es geht hier um eine Menge Geld, man hat den Eindruck, es geht nur ums Geld! 

Eine Entwicklung, die auch vom Altmeister des europäischen Westernreitsports, Jean-Claude Dysli, heftig kritisiert wird.

Das Problem liegt wahrscheinlich auch darin, dass die meisten Trainer, die mit der Western Reitweise befaßt sind aus dem Turniersport kommen und es nicht schaffen über ihren Schatten zu springen.

Und weil nicht jeder Westernreiter ein "Horseman" ist,  wird auch hier vorwiegend mit dem Kopf und zuwenig mit dem Herzen gearbeitet.

Weil trotz aller guten Vorsätze, wollen wir das den Menschen mal zugestehen, der Zwang vorherrscht, mit allen möglichen Trainingsmethoden und Techniken ein bestimmtes Ziel erreichen zu müssen.

Das gilt keineswegs nur für den Western-Reitsport.
Für Gefühl und Phantasie scheint in der Reiterei überhaupt wenig Platz zu sein.
Und sehr viele Reiter setzen Führung mit Unterdrückung gleich! 

Geradezu "mechanisch", und unter Verwendung aller möglichen Hilfsmittel, wie es eben die Art des Menschen ist, wird auf perfekte Ergebnisse beharrt. Auch um den Vorgaben in den Regelwerken gerecht zu werden. Hauptsächlich aber, um Ego und Eitelkeit zu befriedigen.

Tom Dorrance: "Die Kunst ist nicht, zu wissen wie man Sporen benutzt. Die Kunst ist, zu wissen wie man ohne sie auskommt."

Wir sollten auch niemals vergessen, dass das Pferd sehr wohl zu erkennen imstande ist, ob eine Übung Sinn macht oder nicht!
So mancher "Sandplatz-Cowboy" braucht sich also nicht wundern, wenn das Pferd nach dem 10. Sliding-Stop seinen "Unwillen" zum Ausdruck bringt.

Grundsätzlich ist nichts dagegen einzuwenden, Ziele erreichen zu wollen. Nur die Art und Weise, wie es hinlänglich geschieht, ist falsch.
Weil dabei das Wesentliche, die Beziehung zwischen Mensch und Pferd wiederum auf der Strecke bleibt, eben - weil die wenigsten imstande sind, ihre Pferde zu fühlen und zu verstehen.
Weil die Menschen eben so sind, wie sie sind.

So werden die Pferde eben immer wieder zu Trainern gebracht, um "korrigiert" zu werden. Mit Hilszügeln, Ausbindern, Nasenriemen, schärferen Gebissen, Sporen, und was ihnen sonst noch einfällt.
Nach ein paar Monaten ist alles wieder beim Alten. Kann gar nicht anders sein!
Wenn man sich nicht bemüht die Natur zu verstehen, nicht bereit ist innezuhalten, in sich zu gehen, seine Sichtweise zu ändern, die Dinge mal aus der Sicht des Pferdes zu betrachten, wird sich nichts ändern.

Es ist immer wieder interessant, zu beobachten, wie Reiter und Trainer in die "sturer Bock - widerspenstiger Gaul - dominantes Pferd - braucht ordentlich Druck - ... Falle" tappen. Sobald sie in diese Falle, welche sie sich immer wieder selber stellen geraten sind, ist jegliche Verbindung zum Pferd abgebrochen.

Pferde besitzen nicht nur hohe soziale Kompetenz, sie sind auch emotional höchst intelligent und uns Menschen,wie bereits erwähnt, in der Kunst der Kommunikation haushoch überlegen.

Da laufen also immer wieder Reiter und Trainer, mit Strick und Stock fuchtelnd, mitunter eine halbe Stunde im Round Pen auf und ab. Und während sie, in der Meinung alles richtig zu machen, gerade dabei sind die Natur zu bekämpfen, werden sie permanent ins "OUT" geschossen.
Ist das Pferd mal gnädig und lässt ihnen ihren Willen, wird das sofort als Trainingserfolg verbucht!

Es wird so bleiben, wie es Tom Dorrance beschrieben hat. Bei dem die Leute immer wieder vor der Tür standen, schon nach wenigen Monaten oder einem Jahr. Er möge ihnen doch wieder bei "ihren Problemen mit ihren Pferden" helfen.
Sinnlos eigentlich, da sie nicht fähig und bereit waren, dem alten Horseman und den Pferden zuzuhören und von ihnen zu lernen. Weil sie nichts, aber auch gar nichts, begriffen haben!

Auch die "sanften und pferdegerechten" Ausbildungsmethoden, wie sie seit einigen Jahren von weltbekannten Trainern in einer Art Franchise-System über den gesamten Erdball verbreitet werden, birgen die Gefahr in sich, dass sie im Endeffekt nicht so vermittelt werden können, wie es den Pferden zuträglich wäre. Wie sonst ist es zu erklären, dass die Pferde bei Shows und Demonstrationen im Round-Pen oft sinnlos gehetzt werden. 
Dass dabei Pferde sogar zu Fall gebracht werden, wie schon öfter miterlebt, darf einem(r) Trainer(In) nicht passieren!

Viele scheinen überhaupt den Sinn der Arbeit, beispielsweise im Round-Pen oder im Viereck, nicht zu verstehen. Ein Pferd nur im Kreis zu jagen hat nichts mit "Join-UP" oder "JOINING" zu tun.
Und wie beim Longieren sind die meisten Menschen auch hierbei "viel zu laut" und achten nicht auf ihre Körpersprache.

Ein Nachteil dieser Systeme ist auch, dass sich die Vertragspartner erfahrungsgemäß in einem stark eingegrenzten Bereich bewegen (müssen), der wenig Platz für Phantasie und Kreativität lässt.
Daheim im Reitstall wird dann versucht, es den Profis nachzumachen, wobei sehr oft viel Schaden angerichtet wird.

Wir sollten uns zu Herzen nehmen, was Bill und Tom Dorrance uns hinterlassen haben.
Dem Wesen des Pferdes als Herden-und Fluchttier gerecht werden und auf seine Ängste Rücksicht nehmen. Ihm eine eigene Meinung lassen (innerhalb der vereinbarten Grenzen) und ihm Sicherheit geben. Vor allem zum Wohl und im Sinne des Pferdes handeln, und - ihm nie seine Würde nehmen!
Partnerschaft statt Diktatur!

Eine Partnerschaft, bei der wir die Führung übernehmen, verantwortungsvoll und konsequent die Grenzen abstecken, innerhalb dieser das Pferd seine Entscheidungen treffen kann. Somit sind wir für das Pferd berechenbar und es kann Vertrauen fassen. 

Ohne Vertrauen kann es nicht funktionieren. Gegenseitiges Vertrauen ist die Basis jeder Beziehung. Aber Vertrauen müssen wir uns verdienen. Erst wenn wir uns als vertrauenswürdig erweisen, glaubwürdig sind, und auch wir unserem Pferd vertrauen, wird das Pferd sich uns freiwillig anschließen.

Pferde besitzen hohe soziale Kompetenz. Ihr Zusammenleben ist auf Gefühl, Vertrauen, Verläßlichkeit und Folgsamkeit aufgebaut. Ohne diese Eigenschaften hätten sie nicht bis heute überleben können.
Wird rechtzeitig, also schon während der Erziehung des Pferdes, durch verantwortungsvolle Führung gegenseitiges Vertrauen aufgebaut, wird das Pferd auch viel leichter auszubilden sein. Es wird bald ein verläßlicher Partner werden. Und es wird uns nie im Stich lassen, gerade wenn wir auf seine Verläßlichkeit angewiesen sind.

Natürlich gibt es Pferdeleute, die eine gegenteilige Meinung vertreten. Sie versuchen mit harter Hand, ständigem Druck und dem Einsatz diverser Hilfsmittel die Pferde auszubilden. Die absolute Dominanz über das Perd steht im Vordergrund. Es ist weniger Aufwand und kostet weniger Zeit, denken sie.

Ähnliches wird seit langem auch in anderen Pferdeport-Disziplinen praktiziert.
Ein so behandeltes Pferd wird wahrscheinlich kurzfristig die gewünschte Leistung bringen. Aber es wird das, was man von ihm verlangt, unwillig und aus Furcht tun, und - immer unberechenbar bleiben.
An dieser Stelle die Worte von Monty Roberts: "Ein guter Pferdeausbilder kann ein Pferd dazu bringen zu tun, was er von ihm verlangt. Ein großer Ausbilder kann ein Pferd dazu bringen, es gern zu tun."

Viele Pferdesportler sind natürlich darauf bedacht, immer genügend "Material" parat zu haben. So sind laufende Erfolge nahezu garantiert.
Irgendwann resignieren die Pferde, geben sich auf, manche werden zu "Problempferden". Sie verschwinden nach ein paar Monaten oder nach einer Saison wieder von den Renn-und Turnierplätzen dieser Welt. Wohin auch immer. An eines wird man sich erinnern. An die Traurigkeit und Resignation in ihren Augen.

Der deutsche "Menschentrainer" und Horseman Heinz Welz schreibt in einem seiner Bücher: „ Natur existiert ohne Zutun des Menschen. Daraus folgt: Das Pferd braucht den Menschen im Grunde nicht. Und doch muß es mit ihm leben. Je nachdem muß es ihn fürchten oder (er-)tragen. Je nachdem was der Mensch mit ihm anfangen möchte. Hier ist an unsere Verantwortung der Natur gegenüber zu erinnern, die zwar ohne uns existieren kann, aber mit uns oft genug nicht, und meist mehr schlecht als recht.“
Heinz Welz mahnt weiter: „Wenn wir nicht lernen, die Natur des Pferdes zu verstehen, dann können wir sie entweder nur mit Gewalt beherrschen und sie im schlimmsten Fall zerstören. Oder wir werden beherrscht. In der Regel aber wird es ein labiles Gleichgewicht des Schreckens sein, mit viel Frust und viel Unverständnis.“

Kluge Worte außergewöhnlicher Horsemen. Wir sollten von ihnen lernen! Zu unserem eigenen Wohl und zum Wohl unserer Pferde.

E.Treichl - September 2007 - www.geronimo-horse.at